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Dick, dicker, deutsch

… so lautete gestern Abend das Thema in Frank Plasbergs Talkshow „Hart aber fair“.

Verbraucherschutzminister Horst Seehofer plädierte für den mündigen Konsumenten und eine – relativ komplizierte – Lebensmittelkennzeichnung. Werner Wolf, Chef des Knabberzeug-Herstellers Intersnack, gab immerhin zu bedenken, dass es ja auch auf ausreichende Bewegung ankommt. Und der Chef von Foodwatch, Thilo Bode, beklagte die handfesten Lügen, mit denen fettreiche Lebensmittel zu „Light“-Produkten stilisiert werden. Das Alles war weder neu noch sonderlich aufregend; und nach 75 Minuten Sendezeit hatte man nicht gerade den Eindruck, viel dazugelernt zu haben.

Was möglicherweise auch daran liegt, dass die Diskussion mehr oder weniger hinfällig ist; Bestseller zu diesem Thema stehen in den Regalen, die Medien wärmen sie momentan bloß auf, um die voyeuristischen Neigungen des Publikums zu befriedigen – nach dem Motto: Schau mal, wie dick alle sind, wie krank, wie krebsgefährdet, wie … etc. Als ob wir das nicht längst wüssten. Als ob wir nicht jeden Tag sehen könnten, wie die Schere zwischen dem Schönheitsideal, das uns die Medien vorgaukeln, und dem Durchschnitts-BMI des Mannes, der im Supermarkt an der Kasse steht, immer weiter auseinanderklafft.

Die Nationale Verzehrstudie, veröffentlicht vor rund einem Monat, hat bloß bestätigt, was man jederzeit und überall sehen konnte – die Deutschen sind zu dick. So what?

Lebensmittelkennzeichnung ist ein Thema, das so alt ist wie die Geschmacksverstärker; und es gibt einen einfachen Grund, weshalb sie in Deutschland noch nicht eingeführt worden ist: Lobbyismus. Punktum.

Nicht nur die Defizite sind also hinlänglich bekannt – auch die Gegenmittel: Sport und eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Die Weight Watchers werben seit Jahren dafür. Mitte der Neunziger erreichte Ulrich Strunz mit seinen Laufbüchern ein Millionenpublikum – das sich anscheinend mit seinen Büchern und einer Tüte Chips aufs Sofa gefläzt hat. 😉

Es ist also nicht so, als sei uns die Wahrheit erst im vergangenen Monat offenbart worden. Die zurzeit öffentlich ausgetragene Debatte um Lebensmittelkennzeichnung geht eigentlich am Kern des Problems vorbei. Wichtiger wäre es, eine insgesamt gesunde Lebensführung zu lehren. Wobei sich diverse Teilnehmer der gestrigen Talkrunde gern auch besser informieren dürften…